Passiver Equalizer mit Röhrenstufe

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Mit dem Massive Passive stellt Manley einen Equalizer vor, der ohne aktive Bauteile in den Filterbändern auskommt und den Klang nostalgischer Vorbilder wie dem legendären Pultec-Equalizer mit weichen Sättigungseffekten der Aufholverstärker in Röhrentechnik kombiniert. Mit den Übertragern und Röhren sowie den speziellen Spulen für die Filter macht der Massive Passive mächtig Sound und erinnert schon beim ersten Antesten an die legendären Klassiker. Da sich die einzelnen Filterbänder sowie einige Einstellungen innerhalb eines Filterbandes gegenseitig beeinflussen, muß man sich erst einmal an die Bedienung des Equalizers gewöhnen. Die wichtigste Erkenntnis liegt in der Tatsache, daß es sich viel eher um ein musikalisches Werkzeug als um ein analytisch-technisches Gerät handelt. Die zunächst merkwürdig anmutenden Abhängigkeiten haben nämlich durchaus ihren Sinn: Vergrößert man bei konstanter Gain-Position beispielsweise die Bandbreite des in Glockencharakteristik betriebenen Filters, so wird die Pegelanhebung geringer. Zusammen mit der größeren Bandbreite bleibt dadurch aber die musikalische "Energie" konstant, wodurch ein äußerst intuitives Arbeiten möglich wird. Das Geheimnis hinter der Bedienung des Massive Passive liegt also nicht etwa im Erlernen der spezifischen Zusammenhänge der Schaltung, sondern im Lösen von den bekannten Grundregeln zugunsten von intuitivem Experimentieren. Wer sich auf diese Ebene der Arbeitsweise begibt, wird vom Massive Passive mit unglaublichen Resultaten belohnt. Da starke Anhebungen gleichzeitig zur Sättigung führen, bleibt zudem der harte Klang in den Höhen oder das Wummern in den Bässen aus, gleichzeitig ergibt sich eine Art Kompressionseffekt durch die Röhren. Extreme Einstellungen verlieren so ihren Schrecken. Gerade größte Klangverbiegungen ohne unnatürliche Härte im Klang sind die wahren Stärken des Massive Passive, der durch seinen spezifischen Klang dem Ohr schmeichelt und absolut nicht mit neutralen Vertretern dieser Gerätegattung vergleichbar ist. Wer so intuitiv arbeitet, wird nicht immer peinlich genau auf die Pegel achten wollen. Auch diesem Ansatz wird der Massive Passive gerecht, denn selbst Anhebungen von 20 dB führen bei weitem noch nicht zur Übersteuerung, da der maximale Ausgangspegel um satte 33 dB über dem Nennpegel von + 4 dBu liegen darf. Da muß man schon aufpassen, daß man die Eingangsstufe des nachfolgenden Geräts nicht goldbraun grillt. Der Rauschpegel liegt bei - 85 dB bezogen auf + 4 dBu. Bei voller Ausnutzung des Headrooms kommt man damit auf einen nutzbaren Dynamikumfang von 120 dB. Ein ausgezeichneter Wert, der gleichzeitig beweist, daß die bisweilen als veraltet angesehene Technik bei guter Auslegung durchaus mit modernen Konzepten mithalten kann. |